Hermann Schmitz: Wie der Mensch zur Welt kommt. Beiträge zur Geschichte der Selbstwerdung

Wie der Mensch zur Welt kommt Book Cover Wie der Mensch zur Welt kommt
Hermann Schmitz
Verlag Karl Alber
2019
Paperback 24,00 €
120

Reviewed by: Jonas Puchta (University of Rostock)

Nach sechzigjähriger Schaffenszeit widmet sich Hermann Schmitz, der Begründer der Neuen Phänomenologie, in seinem 56. Buch der Individuation der Person als „Geschichte der Selbstwerdung“. Dabei entfaltet er sein Denken nicht grundsätzlich neu, sondern reformuliert Grundthemen der Neuen Phänomenologie wie das „affektive Betroffensein“, den „Leib“ oder die „Zeit“, die in zehn Kapiteln den „Zugang zur Welt“ der Person ersichtlich werden lassen. Zwar sind die Kapitel auch unabhängig voneinander lesbar, jedoch so konzipiert, dass sich bei sukzessiver Lektüre die „Selbstwerdung“ des Menschen nachvollziehbar entfalten soll.

Der Weg zur Selbstwerdung setzt ein mit dem „affektiven Betroffensein“, das stattfindet, wenn jemanden etwas spürbar so nahegeht, dass er auf sich selbst aufmerksam wird. (13) Dafür ist kein bestimmtes Denk- oder Reflexionsvermögen von Nöten, sodass auch schon Tiere oder Säuglinge affektiv betroffen sind. (Ebd.) Die Tatsachen des affektiven Betroffenseins sind für Schmitz subjektive Tatsachen, die er von den objektiven unterscheidet. Während subjektive Tatsachen ausschließlich die Person aussagen kann, die auch tatsächlich spürbar betroffen ist, können objektive Tatsachen von jedem ausgesagt werden, der ausreichend Informationen über den Sachverhalt besitzt (13, 15f.). Objektive Tatsachen umfassen beispielsweise den Blick eines distanziert protokollierenden Beobachters, während die subjektiven Tatsachen den unmittelbar Getroffenen nahegehen. (16, 19f.) Die Missachtung der Subjektivität in der Philosophiegeschichte führte, so Schmitz, zu einer Spaltung des „wirklichen Subjekts“ in ein erscheinendes empirisches und ein metaphysisches transzendentales Subjekt, das von der Lebenswelt des Menschen gänzlich unabhängig ist, und wird somit zur Grundlage „aller möglichen idealistischen Erkenntnistheorien“. (20f.) Das affektive Betroffensein soll dabei zugunsten von Konzepten der Seele oder des Bewusstseins übersehen worden sein, die Schmitz anhand seiner Analysen der Leiblichkeit und der Gefühle überflüssig machen will. (23f.)

Dazu beleuchtet er zunächst im zweiten Kapitel die Atmosphären des Gefühls als eine Quelle des affektiven Betroffenseins. Dabei will Schmitz über die philosophische Tradition hinausgehen, wobei er Kants Position kritisiert, Gefühle als bloße Lust oder Unlust aufzufassen und Brentano und Scheler vorwirft, diese auf intentionale Akte zu reduzieren. (37) Dafür sei es erforderlich, sich in „phänomenologisch haltbarer Weise“ zu vergewissern, wie Gefühle dem Menschen begegnen. (Ebd.) Atmosphären wie Zorn, Freude oder Schuld ergreifen den Leib spürbar so, dass die Person immer erst nachträglich zum Gefühl Stellung beziehen kann. (26, 28) Die „Macht“ der Atmosphären besteht im Moment der Ergriffenheit, wenn dem zunächst passiv Betroffenen bestimmte „Bewegungssuggestionen“ eingegeben werden und dieser so dem Gefühl anfänglich unterworfen ist. (47) Diese spürbaren Bewegungen oder Richtungen geben dem Ergriffen zum Beispiel gewisse Haltungen oder Impulse ein, wie es am gesenkten Kopf eines Trauernden zu beobachten ist. (Ebd.) Die „Gesinnung“ als aktives Empfangen des Gefühls, welches auch schon bei Tieren vorhanden ist, stellt sich als bestimmte präpersonale Art des Sich-Einlassens auf das Gefühl heraus (27f.), wenn sich zum Beispiel auf die Trauer weinerlich oder standhaft eingelassen wird. Erst in der darauffolgenden aktiven personellen Stellungnahme im „Dialog“ mit dem Gefühl ist es aber möglich, einen „personalen Stil des Fühlens“ als Teil der personellen „Fassung“ zu entwickeln, die zwischen „personaler Regression“ und „personaler Emanzipation“ vermittelt. (27, 38, 107) Die Stellungnahme variiert dabei zwischen einer Preisgabe an das Gefühl, wenn sich der Betroffene von diesem mitreißen lässt oder im Widerstand, bei dem sich der Macht der Ergriffenheit entzogen wird. (27f.) Die „Kunst der Bewältigung“ des Gefühls besteht für Schmitz darin, die Zeit zwischen Ergriffenheit und Stellungnahme kurz zu halten (48), also frühzeitig die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit der Gefühlsmacht wahrzunehmen, wobei eine konkrete Beschreibung dieses Umgangs ausbleibt.

Wie Schmitz im dritten Kapitel verdeutlicht, ist das affektive Betroffensein nicht nur für die Wirklichkeitsgewissheit, sondern auch für die Lebensführung von Bedeutung. (52) Die „Autorität der Gefühle“ wie auch die „Evidenz von Tatsachen“ sind Möglichkeiten, die Verbindlichkeit von Normen geltend zu machen. Gefühle haben im Moment der Ergriffenheit eine Verbindlichkeit von Normen mit der „Autorität unbedingten Ernstes“, welche die Person vor eine große Verantwortung im Handeln stellt. (53) Auf dem „höchsten Niveau personaler Emanzipation“, das Schmitz auch mit der „Vernunft“ gleichsetzt, gilt es zu überprüfen, ob sich der Evidenz oder der Autorität zu entziehen oder zu unterwerfen ist, ohne dabei von einer ethischen Handlungsmaxime auszugehen, die auf jede Situation gleichermaßen anzuwenden ist. (54, 60) In dieser Hinsicht wird der „Vernunft“ wie auch dem Rationalismus ihr Recht eingestanden, wenn es „angemessener Informationen“ oder der sinnvollen Einschätzung über eine Sachlage bedarf. (55) So muss beispielsweise der Wissenschaftler, der bei seiner Arbeit von Zorn oder Eifer ergriffen ist, sich zugunsten seiner Erkenntnisse von diesen Gefühlen freimachen. (Ebd.) Daran anschließend geht Schmitz beiläufig im vierten Kapitel der Bedeutung der „Autorität der Gefühle“ im Christentum nach, das er von der Metaphysik losgelöst sehen will. (57, 62) Religion wird verstanden als „Verhalten aus Betroffensein von Göttlichem“ (57) und ist damit ursprünglich immer mit einer spürbaren Erfahrung verbunden und nicht auf bloße Lektüre oder Rezeption heiliger Schriften zu reduzieren. Göttliche Gefühle entfalten ihre Kraft aus der ihnen eigentümlichen Autorität unbedingten Ernstes (59), sind aber auch eingebunden in unübersichtliche Situationen. In diesen werden die Gefühle oftmals als „Plakatierungen“ – der Begriff ist hier frei von negativen Konnotationen zu verstehen – anschaulich „zusammengefasst“, worunter Schmitz vor allem Feste, Symbole, Personen, aber auch die Götter selbst versteht. (60f.) Ohne sich als Christ oder zur Religiosität zu bekennen, hält er dem Christentum zugute, die Autorität eines Gefühls mit unbedingtem Ernst, wie der Liebe, dem gegenwärtigen „ironistischen Zeitalter“ entgegen zu halten, das sich in einer haltlosen Beliebigkeit des „Anything goes“ oder der „Coolness“ verrennen soll. (62f.)

Alles affektive Betroffensein ist leiblich spürbar vermittelt, weshalb der Leib als wesentlicher Ausgangspunkt der menschlichen Lebenserfahrung vom äußeren sicht- und tastbaren Körper, der zum Beispiel Gegenstand der Naturwissenschaft ist, unterschieden wird. (65f.) Während der Körper in einem flächenhaltigen messbaren Raum zu verorten ist, sind der Leib wie auch die Atmosphären flächenlos (40, 66f.), woraus aber kein an die Philosophietradition anknüpfender Dualismus zwischen Leib und Körper abzuleiten ist. (67) Der Leib wird vielmehr durch „Einleibung“ mit dem Körper dynamisch zusammengeschlossen, was zum Beispiel dann ersichtlich wird, wenn „Bewegungssuggestionen“ der Musik den Leib ergreifen und sich auf die körperlichen Glieder beim Tanzen „übertragen“. (68) Schmitz gesteht ein, dass der Körper für die Funktionen des Leibes von Bedeutung ist, verweist aber mittels Phantomglieder oder Berichten von Nahtoderfahrungen auf die Möglichkeit, eines nicht notwendigen oder dauerhaften Zusammenhanges, (70) wobei er darüber hinaus keine „gültige Bestätigung“ bzw. eindeutig nachweisbare Kausalität vorliegen sieht, dass der Leib aufgrund körperliche Prozesse entsteht oder auf diese zu reduzieren ist. (69) Zur Beschreibung der menschlichen Lebenserfahrung ist für Schmitz einzig der Leib von Bedeutung, wobei der Körper vielmehr einen „sperrigen Block“ im „In-der-Welt-sein“ des Menschen darstellt. (70) Diese Einschätzung durchzieht Schmitz´ gesamtes Werk, in dem er bewusst auf die Einbeziehung von biologischen oder physikalischen Erkenntnissen der Naturwissenschaft verzichtet. Dagegen könnte der Vorwurf laut werden, dass der Leib zu autonom von körperlichen Prozessen verstanden wird. Wenn dieser Einwand auch nicht unbegründet ist, kann Schmitz´ Bestreben aber gerade auch als Widerstand gegen das reduktionistische und mittlerweile alltägliche Selbstverständnis des Menschen gelesen werden, welches die Lebenserfahrung auf Hormonausschüttungen oder neuronale Prozesse reduziert und damit das eigentliche Erleben auszuschalten droht.

In den Kapiteln sechs bis neun beleuchtet Schmitz die Zeit, die stets an das präpersonale wie auch personale Leben geknüpft ist. Die „primitive Gegenwart“ als „plötzlicher Einbruch des Neuen“, der zum Beispiel spürbar als engender Schreck leiblich erfahrbar wird, stiftet die „absolute Identität“ und legt damit den Grundstein zur „Selbstheit“. (74f.) Die vorhergehende selbstlose Weite, wie sie zum Beispiel am Kontinuum oder im Dösen nachzuvollziehen ist, wird durch die „primitive Gegenwart“ zerrissen in die Dauer als „Urprozess“ einer Bewegung zum untergehenden „Vorbeisein“ und einer Bewegung des „Fortwährens“ zum Neuen (83) und legt damit den Ursprung der Zeit. Schmitz richtet sich gegen die alltägliche Vorstellung, dass die Zeit eine alle Prozesse umfassende Bewegung sei und bezeichnet dessen vermeintlich gleichmäßiges Voranschreiten – wie es die Bewegung einer Uhr suggeriert – als bloßes Kunstprodukt. (Ebd.) Vielmehr soll die Zeitlichkeit an die Leiblichkeit der Person geknüpft und essentieller Bestandteil der Selbstfindung des Menschen sein. Die Dynamik des Leibes, so Schmitz, ahmt demnach die Strukturen der Zeit nach, wenn die gespürte „Enge“ die Richtung zum Vergehen und die „Weite“ das Fortschreiten in die Zukunft vermitteln soll. (Ebd.) Mit dem Eintritt der „absoluten Identität“ gliedert sich die „Weite“ in Situationen (75), die auch einen wesentlichen Anteil der Zeiteinheiten ausmachen sollen. (86) Die Verteilung der Dauer orientiert sich zum Beispiel an „zuständlichen“ oder „aktuellen“ Situationen. (84f., 91f.) Der Mensch ist durch die Sprache zur „Explikation“ oder „Vereinzelung“ fähig, um so aus den Situationen einzelne Bedeutungen zu individuieren und eine konkrete Einteilung der Zeit als „modale Lagezeit“ vorzunehmen, die aus der „Modalzeit“ einerseits und der „Lagezeit“ andererseits besteht. Die ursprünglichere „Modalzeit“ spaltet sich mit dem „Einbruch des Neuen“ in die Vergangenheit, als das, was nicht mehr ist, in die Zukunft, als das, was noch nicht ist und in die Gegenwart. (89, 93) Die „Lagezeit“ ist dagegen zu verstehen als Anordnung gleichzeitiger einzelner Ereignisse oder Daten in einer linearen Folge des Früheren zum Späteren. (Ebd.) Die Verbindung von „Lage“- und „Modalzeit“ zur „modalen Lagezeit“ macht sich der Mensch zunutze, indem er wie beim Gebrauch von Uhren die Dauer in Zeitstrecken mit jeweils einzelnen messbaren Zeitpunkten einteilt (79 ff.), was für die Orientierung des Menschen unerlässlich ist. Der „gewöhnliche Rhythmus des Lebens“ geschieht aber abschließend nicht in einem allumfassenden zeitlichen Rahmen oder einer Abfolge regelmäßig aufeinanderfolgender Zeitpunkte, sondern besteht in den immer wiederkehrenden „Einbrüchen des Neuen“, welche die fortwährende ruhende Dauer „zerreißen“ und durch welche sich der Mensch auf diese Weise immer wieder selbst finden soll. (91)

Diese zeitlichen Prozesse sind auch für das Personsein des Menschen von erheblicher Bedeutung. Im letzten Kapitel fasst Schmitz seine Erkenntnisse zum Prozess der Individuation des Menschen zusammen, die er aber nicht als Geburt in eine bereits vorhandene Welt begreift. (97) Auf der ersten Stufe der bloßen Selbstlosigkeit in der Weite des Kontinuums wird mit dem „Einbruch des Neuen“ wie beim affektiven Betroffensein durch den Schreck die absolute Identität gestiftet und gleichzeitig der Ursprung der Zeit gelegt. (97ff.) Aus der „primitiven Gegenwart“ resultiert die „leibliche Dynamik“ und die „leibliche Kommunikation“, mit der auch die Bildung von bedeutsamen Situationen einhergeht. (99f.) Die „leibliche Dynamik“ differenziert Schmitz nach ihrer Bindungsform zwischen gespürter Enge und Weite, die charakteristisch für die „leibliche Disposition“ der Person wird. Aus diesen Dispositionen werden Charaktertypen abgeleitet, die sich hinsichtlich der Offenheit oder Empfänglichkeit im Umgang mit Gefühlen oder Personen unterscheiden. (33ff.) Erst der Mensch, der über das Säuglingsalter hinausgegangen ist, kann dann auf einer nächsten Stufe mittels Sprache einzelne Bedeutungen aus der Situation explizieren und sich so auf andere Weise in seiner Umgebung zurechtfinden. (101 f.) Erst auf diesem Niveau ist es möglich, von einer Person zu sprechen, die in der Lage ist, sich in einem „Netz von Gattungen“ als Etwas zu verstehen und sich zum Beispiel anhand von bestimmten Rollen zu verorten oder selbst zu bestimmen. (104) Das „Sammelbecken“ als Ort der explizierten vereinzelten Bedeutungen und Gattungen bildet daran anschließend auf einer vierten Stufe die „Welt“, die nicht statisch vorhanden ist, sondern erst mit dem fragenden Explizieren der Person entsteht. (104f., 110) Die labile Person steht in diesem Zusammenhang vor der Aufgabe, sich zwischen „personaler Regression“ wie im „affektiven Betroffensein“ und „personaler Emanzipation“ in kritischer Distanz zur Betroffenheit zurechtzufinden. (106ff.) Damit einher geht auch die immer fortwährende Bildung der „persönlichen Eigenwelt“, die sich aus den Bedeutungen ergibt, welche für die Person durch die unmittelbare Betroffenheit subjektiv sind, während die „persönliche Fremdwelt“ alle Bedeutungen umfasst, die durch Abstandnahme in der personalen Emanzipation objektiviert sind. (Ebd.)

Schmitz greift bei der Darstellung seiner Thesen auf sein umfassendes Werk zurück, um in aller Kürze und mit teilweise auffälligen Wiederholungen – bedingt durch seine Erblindung (10) – im Stil eines Vortragenden der Thematik der Selbstwerdung gerecht zu werden. Zwar wirken seine Formulierungen an einigen Stellen gedrängt und verlangen nach mehr Ausführlichkeit, jedoch sind seine Überlegungen bereits detaillierter in seinem opus magnum, dem „System der Philosophie“, angelegt und in zahlreichen Büchern weiterentwickelt. Schmitz spürt dem, was andere Philosophen wie selbstverständlich voraussetzen – dass sich der Mensch „immer schon“ in einer Welt vorfindet – akribisch nach, indem er auch den Zugang zur Welt auf der Basis strenger, phänomenologischer Begriffe beleuchtet.

Dabei scheinen seine Überlegungen in die Nähe eines Idealismus zu rücken, wenn er die Zeit stets an die Leiblichkeit knüpft und auch die Entstehung der Welt an eine explizierende Person gebunden ist. Betroffenheit wie auch die Explikation der Person sind fundamentale Bestandteile der Weltentstehung im obigen Sinne, weshalb „Selbstwerdung“ auch immer Weltwerdung mit meint. Es wäre jedoch voreilig, Schmitz´ Weltbegriff als eine Form des traditionellen Idealismus zu deuten, von dem er sich nämlich explizit abgrenzen möchte. Den „naiven Idealismus“, der den Geist des Menschen in der Rolle des „Weltbaumeisters“ übertrieben haben soll, will Schmitz mit seiner Konzeption gerade überwinden. (108) Schmitz schreibt dem Menschen keine Schöpferqualitäten zu,[1] gesteht aber ein, dass die Person durch „eigene Zusätze“ wie im bereits erwähnten Uhrengebrauch die Welt „vervollständigen“ oder zu ergänzen versucht. (108) Daneben muss auch klar sein, dass bei der Explikation der Person keine Welt aus dem Nichts konstruiert wird, denn die explizierte Bedeutsamkeit ist immer primär[2] und liegt bereits „chaotisch mannigfaltig“ vor, ist aber ohne die Leistung der Person noch nicht vereinzelt, weshalb sich Schmitz´ Konzeption auch gegen ein konstruktivistisches Weltverständnis richtet. Dass etwas existiert, ist damit nicht vollständig an die Explikationsleistung der Person gebunden.

Dass die Person aus der Weltwerdung nicht wegzudenken ist, kann sich auch auf das Philosophieverständnis des Autors zurückführen lassen. Philosophie definiert dieser von Beginn seines Schaffens an als „Sichbesinnen des Menschen auf sein Sichfinden in seiner Umgebung“.[3] Einen objektiven oder distanzierten „Blick von Nirgendwo“, wie Schmitz mit Rückgriff auf Thomas Nagel formuliert (20f.), der gänzlich unabhängig von einer Person besteht, sucht man bei diesem „Sichfinden“ des Menschen vergeblich, denn affektives Betroffenensein des Leibes oder fragendes Explizieren in einer bestimmten Situation sind unhintergehbare Bestandteile des menschlichen Lebens. Schmitz fundamentaler phänomenologischer Anspruch, diese Facetten der Lebenserfahrung herauszustellen, spiegeln sich gerade in seinem Weltverständnis wider, dass sich auch deshalb unvereinbar mit dem Naturalismus von diesem unterscheidt.

Seine Konzeption ist aber auch kaum mit dem Weltverständnis des „Neuen Realismus“ vereinbar wie ihn Markus Gabriel prominent zu begründen versucht und der sich damit ebenfalls gegen die Vorherrschaft des Naturalismus behaupten will.[4] Schmitz´ Buch „Gibt es die Welt?“[5] kann zumindest dem Titel nach als unausgesprochene Antwort auf Gabriels zuvor erschienenes Werk „Warum es die Welt nicht gibt“ gelten, aber auch anderweitig stellte er immer wieder Bezüge her. (51f.)[6] Gabriel richtet sich gegen die These, dass es eine Welt als absolute Totalität geben könnte, weil man stets unfähig ist, diese vollständig zu beschreiben.[7] Stattdessen will er im Rahmen seiner „Sinnfeldontologie“ zeigen, dass Gegenstände in unzähligen „Sinnfeldern“ vorkommen und das die Rede von Existenz bedeutet, dass etwas in einem solchen „Sinnfeld“ „erscheint“.[8] Im Vergleich zu diesem Ansatz bekämpft auch Schmitz einen Weltbegriff, der traditionell als einheitliche und absolute Totalität postuliert wird, verwendet dabei aber grundsätzlich andere Mittel. Dass es primär Gegenstände sein sollen, welche ein Sinnfeld ausfüllen, muss für Schmitz aufgrund seines phänomenologischen Anspruchs befremdlich wirken. Denn er will primär gerade nicht von bloßen Gegenständen ausgehen, sondern von ganzheitlichen Situationen, aus denen erst sekundär einzelne Bedeutsamkeit und nicht vordergründig Gegenstände individuiert werden. Daher müsste für ihn auch anstatt vom „Erscheinen“ von der „Explikation“ die Rede sein, die eng an die Leistung der Person und der Selbstwerdung gebunden ist, aber in Gabriels Überlegungen kaum eine Rolle spielen. Während dieser in seiner Ontologie den Weltbegriff verabschieden will und deshalb auch das „Zur-Welt-Kommen“ des Menschen nicht im Blick hat, versucht Schmitz´ das traditionelle Weltverständnis durch ein neues zu ersetzen. Bei allen Unterschieden zwischen den Autoren verfolgen aber beide immerhin eine gemeinsame Absicht: Denn neben der Kritik am Naturalismus richtet sich Gabriels philosophisches Vorhaben auch gegen einen radikalen Konstruktivismus[9], weshalb eine Verständigung zwischen den Autoren nicht von vorneherein auszuschließen, sondern vielmehr ertragreich sein kann.

Schmitz versucht in seinen Beiträgen zur „Geschichte der Selbstwerdung“ und der damit einhergehenden Weltentstehung, sowohl den Realismus als auch den Idealismus hinter sich zu lassen. Weder die Person noch die Welt sind einfach statisch vorhanden, wenn die erstere immer wieder durch spürbare Erfahrungen auf sich aufmerksam wird, um letztere erst durch Sprache für sich und andere ersichtlich zu machen. Unter Berücksichtigung der Lebenserfahrung vermag Schmitz es so, stufenartig die Geschichte der Selbstwerdung und damit auch die Grundlagen der Person aufzuzeigen.


[1] Hermann Schmitz, Wozu philosophieren? (Freiburg/München: Karl Alber, 2018), 94.

[2] Hermann Schmitz, Adolf Hitler in der Geschichte (Bonn: Bouvier, 1999), 27.

[3] Hermann Schmitz, System der Philosophie Bd. 1: Die Gegenwart (Bonn: Bouvier 2005 [1964]), 14.

[4] Vgl. Markus Gabriel, Sinn und Existenz (Berlin: Suhrkamp 2016), 89-94.

[5] Für den Bezug zu Gabriel vgl. Hermann Schmitz, Gibt es die Welt? (Freiburg/ München: Karl Alber 2014), 21, 26.

[6] Vgl. zum Beispiel Hermann Schmitz, Ausgrabungen zum wirklichen Leben (Freiburg/München: Karl Alber 2016), 245.

[7] Eine Möglichkeit, dies zu beweisen, entwickelt Gabriel mit dem „Listenargument“. Vgl. Gabriel, Sinn und Existenz, 45ff.

[8] Vgl. z.B. Gabriel, Sinn und Existenz, 163f., 173f., 183f.,191f., 193f.

[9] Vgl. Gabriel, Sinn und Existenz, S. 34f., 174f.

Thomas Fuchs: Ecology of the Brain: The Phenomenology and Biology of the Embodied Mind

Ecology of the Brain: The Phenomenology and Biology of the Embodied Mind Book Cover Ecology of the Brain: The Phenomenology and Biology of the Embodied Mind
Thomas Fuchs
Oxford University Press
2017
Paperback
370

Reviewed by:  Elodie Boublil (Alexander von Humboldt Fellow-Universität zu Köln)

What makes us persons?

By developing an “ecological approach” of the brain, Thomas Fuchs, who is Karl Jaspers Professor of Philosophical Foundations at the Psychiatry Clinic of the University of Heidelberg, demonstrates the powerful illustration that phenomenology is not only relevant for contemporary neurosciences; it also provides human and natural sciences with an accurate description of the phenomenon of embodied cognition. Indeed, Ecology of the Brain. The phenomenology and biology of the embodied mind, which is a revised version of a book published in 2007 (Das Gehirn – ein Beziehungsorgan), is faithful to the Husserlian claim that considers phenomenology as a grounding science.

Fuchs rightly shows that the phenomenological analysis of the brain he undertakes impacts not only on intellectual endeavors in contemporary neurosciences but also displays significant results for medical sciences such as psychiatry, and human sciences such as cultural studies and developmental psychology. The book displays two central theses: the brain is “an organ of relation, interaction, mediation, and resonance”; the mind-body problem is solved by Fuchs’ “theory of the dual aspect of the living being: both as a lived or subjective body and as a living or objective body.” This holistic yet differentiated approach ultimately leads to a libertarian conception of free will, embedded into —yet not reducible to—its biological, social and cultural determinants. Consequently, Fuchs’s book is not only a breakthrough in the philosophy of cognitive sciences. It also opens up a decisive ethical reflection on the worldview that underlies contemporary epistemology. As Fuchs boldly shows it: “The acid test of every epistemology is, when all is said and done, the intersubjective relationship” (27).

The first part of the book aims to defeat the arguments that support neurobiological reductionism and the representationalist concepts that support it. The representationalist paradigm considers that what we call reality is always reconstructed in the brain thanks to neuronal processes. According to such framework, the world is a fictitious entity reconstructed by the subject’s brain. Fuchs refutes this theory by showing the relevance of three phenomenological key ideas: embodied perception, the distinction between the lived body and the physical body, and the co-constitution of the life-world that is an objective shared reality. As Fuchs states: “human reality is therefore always co-constituted or, as we might say, “interenacted” (…). We live in a shared objective reality because we continuously “interenact” it through our joint activities and participatory sense-making.” (27).

The first chapter titled “Cosmos in the head?” denounces the contradiction inherent to neurobiological reductionism, namely the idea according to which world’s perception is reducible to some representations the brain would produce.  According to Fuchs and following ecological theories (Gibson, Thompson, Varela), perception relies on enaction, which is the capacity of a living organism to co-create its environment and constantly adjust to it. This capacity of self-production named autopoiesis requires the contribution of our body, making the embodied nature of cognition a prerequisite to any form of perception. Subjectivity is irreducible to brain processes. As Fuchs puts it:

“nowhere is the subject found in the brain. Rather, the brain is the organ, which mediates our relationship towards the world, to other people, and ourselves. The brain is the mediator making the world accessible to us, and the transformer connecting our perceptions and movements. However, in isolation, the brain would be just a dead organ.” (xvii).

The second chapter demonstrates that intentional consciousness indeed is not reducible to neuronal processes. In phenomenological terms, “consciousness is the presence of the world for a subject” (33). Drawing on the notions of self-affection and intentionality, Fuchs shows that consciousness shall not be reified, as it is always oriented toward goals and meaningful actions, able to integrate the spatiotemporal features of its environment. Perception amounts to the living body’s engagement with the world, not to the “picture” her brain would make of reality. Moreover, our conception of free will is contingent upon the description we make of the causal relations between the mind and physiological processes. Fuchs warns us against the ethical risk conveyed by the determinism proclaimed by neurosciences: “De-anthropomorphizing nature would turn into the complete naturalization of the human being” (xv). The challenge is then to give a scientifically accurate description of the brain while making room for free will and the co-constitution of the lifeworld.

The notions of “dual aspectivity” and “circular causality” developed in the second part of the book are meant to overcome neurobiological reductionism, by introducing a “mediated monism,» able to describe the “integral causality by which living beings become the causes of their conscious enactments of life” (xix). Indeed, in the following chapter, Fuchs elaborates, and ecological theory of the brain understood as “an organ of a living being in its environment” in order to make possible a scientific theory of the brain that is compatible with our first and second person experiences in the lifeworld.

Chapter 3 focuses on the notion of embodied subjectivity and introduces the idea of “dual aspectivity.” The living person is a “dialectical unity of the «subjective body» (Leib) and the “objective body” (Körper)” (91). Relying on phenomenological conceptions of the lived body (Leib) and self-affection, Fuchs recalls that the subjective body is the background of all experiences. Drawing on Husserl and Merleau-Ponty, Fuchs explains that: “the subjective body is the ensemble of all skills and capacities at our disposal. As “habitual body” (Merleau-Ponty 1962, 71), it contains the preliminary drafts of our enactments of life and thus conveys the founding experience of “I can” (Husserl 1989, 266)” (73). However, persons “are also lived body for others,” and his phenomenological description rightly stresses this intersubjective aspect of the embodiment. Intercorporeity is the basis of our experience, whereas objectification – for instance in the scientific examination of the body of others – is secondary. The subjective body and the body apprehended as “living organism” are not opposed to each other. Rather there is a “fundamental coextensivity of subjective body and physical body” (211). This unity is most articulated in the concept of “capacity” that Fuchs takes up from Aristotle: “on the basis of existing capacities a new situational coherence of organism and environment is created” (101). Therefore, as autopoietic systems, living organisms are both differentiated from and continuously related to their environment. Each stimulus leads to the reconfiguration of the entire system thanks to a circular causality that links together the various levels of experience. The brain consequently plays a crucial role in this process, as an organ of mediation and transformation.

Chapter 4 investigates what Fuchs calls the phenomenon of “resonance” between the brain and the living organism. Indeed, after relying on the phenomenological experience to put forward the idea of embodied cognition, Fuchs goes back to the reductionist argument he is opposing and designs the role and status of the brain anew. Fuchs notices the persistence and prevalence of the representationalist concepts even in the neuroscientific frameworks that aim to take our lived experience and intercorporeity into account. An accurate description of the brain’s functions and its relation to the living organism is required in order to escape the representationalist paradigm and to overcome the idea that consciousness is located in the brain. Bodily resonance is strongly at play in inter-affectivity and emotional responses and leads one to think that consciousness is an overarching structure of the living person that involves the entire organism. In such a context, the brain operates as an organ “of regulation and perception for the entire organism” (147). As Fuchs puts it:

“The central function of the brain for the experiencing and acting living creature consists in transforming configurations of individual elements into resonant patterns that form the basis of integral acts of life. Thus, the brain becomes the organ of mediation, between, on the one hand, the microscopic world of material-physiological processes and, on the other, the macroscopic world of living creatures” (169).

Chapter 5 then focuses on this “macroscopic world of living creatures” by exploring the “brain as an organ of the person.” By looking at contemporary findings in developmental psychology, Fuchs aims to demonstrate the validity of his theory of «resonance» in the context of the development of inter-affectivity. Experiences concerning the role of intercorporeity in early childhood and attachment theory as well as studies related to the development of secondary intersubjectivity through joint attention strongly back up Fuchs’s claims. Locating the mind “in the brain” constitute a logical and naturalistic fallacy. Rather, the brain becomes the “organ of the mind” in the sense that it mediates its interactions with our environment and other living beings, including most importantly other human beings. Indeed, Fuchs’s account shows that intersubjectivity is key to the development of the brain, considering its neuroplasticity and recent findings in epigenetics. Such theory bears significant ethical and social consequences regarding education theory and cultural studies. As Fuchs states: “the brain becomes a social, cultural, and biographically shaped organ” (175). The biological level and the social and intercorporeal levels are intertwined from prenatal development:

“in neural terms, this means that every interaction with others, by means of synaptic learning, leaves traces at the neural level; of course, not in the form of localizable, stored “memories”, “images”, or “representations” of the interactions or attachment figures, but in the form of dispositions to perceive, feel, and behave in certain ways” (203).

In Chapter 6, Fuchs goes back to the concept of dual aspectivity in order to draw its implications for a theory of free will. The brain is thus presented as an “organ of relations,” and the mind-body problem rephrased as “body-body problem,” that is to say as a matter of articulating the subjective body (Leib) and the objective body (Körper) in personal individuation. A phenomenology of decision-making shows that the mind is not disconnected from its environment and physiological background and does not intervene and modify reality, as a deus ex machina would do. Claiming the embodied nature of any decision does not mean denying freedom. Rather, it shows that one is potentially free provided she learns through her development to acquire sufficient capacities for inhibition and reflection, which are decisive to personal emancipation and responsibility. The brain supports such a process, as it is an “organ of capacities.”

Consequently, “taking a decision is not the intervention of an autonomous self, but the activity of an embodied subject which must have learned and incorporated the capacities for inhibition and reflection in the course of his biography. Free will is thus a complex capacity of human agents whose components can only be acquired and practiced through a self-cultivation in the course of social interactions” (263). Such understanding impacts on medicine and particularly on psychiatry and its therapeutic practices. Indeed, if the mind is neither purely spiritual nor material but the complex and individuated expression of a mutual implication of the subjective body and the objective body, then medicine should take into consideration both the intercorporeal basis of any encounter and interaction and the plasticity of the brain due to its biological, ecological and personal embedding.

Chapter 7 addresses thereby, more specifically, the implications of the ecological theory of the brain for contemporary psychiatry and psychological medicine, which are mostly influenced by neurobiological reductionism. As Fuchs explains, neuropsychiatry considers that mental illness results from brain disorders that seem to be localizable in the brain. Moreover, the patient is seen as an autonomous individual separated from her environment and relationships. In light of the previous refutation of the dualist framework, Fuchs aims to provide here a new understanding of mental illness able to encompass all the aspects aforementioned, namely the mutual implication of the biological, psychological and intersubjective levels. Therapeutic practices should be grounded into a relational medicine that grasps the meaning associated by the patient with her relationships, situation or condition. As Fuchs puts it: “Depression results from a perceived loss of meaning and social resonance, not from a lack of serotonin” (285). An ecological conception of mental illness must address the dual aspect of the person, “as the living unity and personal organism.” “The existential dimension of self-recognition, relationship, and meaning, which is crucial for every type of intensive therapy, is beyond the reach of neuroscientific methods. Thus, psychotherapy will never become a branch of applied neurobiology. Its essential grounding sciences remain psychology, hermeneutics, and the social sciences and humanities overall” (299).

Chapter 8 summarizes the main achievements realized throughout the book and recalls the most important claim made by Fuchs:  “It is erroneous to identify the brain with the human subject and to look inside for what makes up the person. What essentially characterizes a human person is being in relationships. (…) A person is not a localizable part of the body but is embodied and animate. We do not exist a second time inside ourselves. Human persons have brains, but they are not brains” (301). The brain mediates the various levels of experience but is not equivalent to concepts such as subjectivity, self or personhood. The naturalization of the concept of the human person leads to “self-reification” and represents an ethical danger that does not even fit with the reality of our interpersonal relations. Fuchs’s enterprise shall be praised for its clarity, rigor but also for reminding us of an evident yet dangerously lost experience:

“to truly become themselves, human persons must become real for one another. This is arguably the most profound reason to regard the conception of the subject as a construction of the brain as nothing else but the human person’s depersonalization. For persons are the primordial phenomenon: that is, what shows itself, and what it is present in its very appearing. I hear the other’s thoughts in his words. Grasping his hand, I give him my hand. Looking into his eyes, I see him. We are not the figments of our brains, but human persons in the flesh” (291).

At the end of the first chapter, Fuchs declares: “In the last analysis, the question of what is “really real”—physical matter instead of animated bodies, brains instead of selves, neural computation instead of conscious experience—is an ethical question.” Indeed, it seems that the ethical impact of The Ecology of the Brain should not be underestimated. Four ethical implications should be briefly discussed:

1/ Fuchs’s work recalls the fact that an anthropological and metaphysical picture of the human being lies behind any scientific account of the latter;

2 / a reductionist account of the human being based on neurobiology could lead to new individual and social forms of alienation, especially considering its prevalence in the design of new therapeutic practices which deny the role of intersubjectivity and social interactions in the mental disease;

3/ the picture of the human being presented in the book echoes Simondon’s work on individuation. Simondon explicitly elaborated a concept of “resonance” that builds ethical and existential considerations onto an analysis of perception that is ontogenetic and that draws on Aristotle’s notion of capacity;

4/ Finally, in the context of contemporary moral issues, the reader would benefit from a particular focus on the differences between the notions of living beings, human beings and persons and notably their ontological implications.

The contributions of the German philosophical anthropology to the debates on the ethical significance of the scientific picture of the human being—as evidenced by the reference to Plessner—constitute indeed productive resources to reconsider the self-proclaimed ethical neutrality of neurosciences. As Edith Stein explained in her lessons on the human person, every picture of the human being implies a metaphysical worldview whether it is a nihilistic, an existentialist, a religious or a political one has to be determined. Nevertheless, reflecting on the human being implies meaning ascription and providing a general framework to make sense of her development and her social environment and relations. This is, even more, the case when one has to design therapeutic practices that draw—consciously or unconsciously—on a preconceived distinction between what is normal and what is pathological. In such a context, The Ecology of the Brain questions the pervasiveness of chemical treatments when they are not associated with psychotherapeutic practices taking into account inter-affectivity and the history of the patient and her relations. The relational dimension of any human reality, as described notably by Fuchs in the second part of the book calls inevitably for further reflections in medical ethics and investigations into the medical policies implemented by states, notably in the care strategies related to psycho-trauma. The powerful demonstration in support of a relational ontology featured in this book echoes the works written by French philosopher Gilbert Simondon who developed a conception of individuation that explicitly takes into account these ethical and social implications. To Simondon, one must overcome the hylemorphic and dualist framework that does not capture the reality of individuation processes. Drawing on a renewed conception of information Simondon explains that the person is the result of a “metastable” process of individuation. The pre-individual is a creative and generative force that perpetually decenters and recomposes its individual instantiations. The living organism is characterized by its plasticity, and the challenge is to think together the individuating movement of life and the instantiation of meanings that impact on it and transform potentialities into actions:

“The living being preserve in it an act of permanent individuation; it is not only a result of individuation, like the crystal or the molecule but a theater of individuation. So every activity of the living being is not, like that of the physical individual, concentrated at its limit; there exists in it a more complete regime of internal resonance requiring permanent communication, and metastability which is a condition of life.” (L’Individuation à la lumière des notions de forme et d’information, p. 28)

Drawing on Aristotle in his lessons on perception, Simondon explains further that the idea of “capacity” does not amount to a logical possibility or a representation. It is a “force that becomes a tendency of the living being,” a “desire.” “The individual life relies on differentiation insofar as it relies on integration” (IFI, p. 163). Simondon calls this process “transduction.” “Transduction” describes the operation by which a system passes from one state to another by re-articulating the stages of its development, transindividuality designates this capacity of the subject to adapt and transform, thanks to pre-individual potentialities, and according to the crises which destabilize its existence and punctuate its psychic individuation. It is therefore not a question of objectifying or actualizing a possibility, but rather of potentiating an existing structure in order to extract a new relation to oneself and to the world: “Perception is not the seizure of a form, but the solution of a conflict, the discovery of a compatibility, the invention of a form.” (IFI, 235)  “All the functions of the living are ontogenetic to some extent, not only because they ensure an adaptation to an external world, but because they participate in this permanent individuation that is life. The individual lives to the extent that it continues to individuate, and it individuates through the activity of memory as through imagination or abstract inventive thinking” (IFI, 209). Therefore, it seems that Simondon provided us with a philosophical and anthropological conception of life that would complement Fuchs’s account or at least bridge the gap between the relational ontology that is here phenomenological uncovered yet not explicitly addressed, and its ethical implications for science and technology. Indeed, our picture of embodiment and embodied cognition impacts on any debates on the dignity of the person and the respect of life. The materialistic and reductionist views of embodiment seem to lead to a new kind of Gnosticism fantasizing about an invulnerable subject disconnected from its intercorporeal reality. Fuchs’s book makes a decisive breakthrough in leading us to question the grounds and legitimacy of our technological and “ethically neutral” postmodern lives, as well as the urgency to reflect on what makes us persons, namely becoming free, in the world, with others.

Giampiero Arciero, Guido Bondolfi, Viridiana Mazzola: The Foundations of Phenomenological Psychotherapy, Springer, 2018

The Foundations of Phenomenological Psychotherapy Book Cover The Foundations of Phenomenological Psychotherapy
Giampiero Arciero, Guido Bondolfi, Viridiana Mazzola
Springer
2018
Softcover 117,69 €
XXII, 343

Gilbert Simondon: La résolution des problèmes, Puf, 2018

La résolution des problèmes Book Cover La résolution des problèmes
Hors collection
Gilbert Simondon
PUF
2018
Paperback 25,00 €
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Anthony J. Steinbock: Limit-Phenomena and Phenomenology in Husserl, Rowman & Littlefield International, 2017

Limit-Phenomena and Phenomenology in Husserl Book Cover Limit-Phenomena and Phenomenology in Husserl
Anthony J. Steinbock
Rowman & Littlefield International  
2017
Paperback £24.95
176