Jens Bonnemann, Paul Helfritzsch, Thomas Zingelmann (Hg.): 1968. Soziale Bewegungen, geistige WegbereiterInnen

1968. Soziale Bewegungen, geistige WegbereiterInnen Couverture du livre 1968. Soziale Bewegungen, geistige WegbereiterInnen
Jens Bonnemann, Paul Helfritzsch, Thomas Zingelmann (Hg.)
zu Klampen Verlag
2019
Paperback 28,00 €
268

Reviewed by: Matthias Warkus

»1968«, die Studentenbewegung, die Jugendrevolte, wie auch immer man das Phänomen genau nennen mag, ist etwas, wozu es insbesondere aus der Außensicht des politisch interessierten Laien, wie der Verfasser dieser Rezension einer ist, zwei konfligierende Leiterzählungen gibt. Die eine könnte man die orthodoxe oder revolutionäre nennen. Ihr zufolge war »1968« tatsächlich ein Epochenbruch, ein – im Guten oder im Schlechten – grundstürzendes Ereignis, der Beginn unzähliger Kausalketten, die erheblichen Anteil an der Hervorbringung der Welt, in der wir heute leben, hatten. Die andere Erzählung könnte man, um einen Ausdruck von Jacques Rancière auszuborgen, die »furetistische« nennen.[1] Hält man sich an sie, dann war 1968 weniger ein Anfang als ein Ende: der Kulminationspunkt und die Sichtbarwerdung einer bereits seit Jahren im Schwange befindlichen Transformation der westlichen Industriegesellschaften.

Im Zuge der Rechtsbewegung zahlreicher westlicher Demokratien in den letzten Jahren (oder doch zumindest der Aktivierung und Sichtbarwerdung ihrer latenten rechten Kräfte) liegt auch die Frage erneut auf dem Tisch, inwieweit die heutigen Verhältnisse ein Produkt von »1968« sind, was auch gleichzeitig die Frage bedeutet, was anders sein könnte, hätte »1968« größere oder geringere Auswirkungen gehabt. Nicht die schlechteste Lektüre dazu ist der Sammelband 1968. Soziale Bewegungen, geistige WegbereiterInnen, herausgegeben von Jens Bonnemann, Paul Helfritzsch und Thomas Zingelmann (Springe: zu Klampen! 2019, 270 S.).

Schon die Einleitung der Herausgeber führt auf hervorragende und kompakt Weise zu dem Problem der Einordnung des Phänomens »1968« heran (und diskutiert dabei mit hoher Aktualität die Bezüge zum »Rechtsruck« der letzten Jahre, 7–10). Die folgenden Beiträge gehen dieses Phänomen in schlaglichtartigen Einzelbetrachtungen multidimensional und ohne Anspruch auf eine »Entschlüsselung« oder klare Beantwortung der eingangs benannten Fragen an, wobei die Herausgeber (völlig zu Recht) eingangs betonen, dass »1968« Wurzeln hatte, die bis weit in die 50er zurückgehen (16).

Das theoretische Atomgewicht der Beiträge nimmt von vorne nach hinten weitgehend stetig zu. Den Auftakt machen Zeitdarstellungen: Sabine Pamperrien gibt in ihrem Beitrag »Szenen des Jahres 1967«, der laut Anmerkung auf einer Lesung aus ihrem Buch 1967. Das Jahr der zwei Sommer basiert, einen guten Überblick über die Ausgangslage in der Bundesrepublik und international. Sie arbeitet dabei überraschende Parallelen zur Gegenwart heraus. Wolfgang Kraushaar zeichnet anschließend die nach seiner These maßgeblich durch die Situationisten geprägte Entwicklung der in Deutschland führenden Akteure um Rudi Dutschke nach.

Der Beitrag von Hannah Chodura und Paul Helfritzsch nimmt sich für seine Kürze etwas viel vor, indem er anhand von Guy Debords Die Gesellschaft des Spektakels und Goyas berühmtem Alptraum-Capricho eine Neuausdeutung des Traums als Metapher für die kapitalistische Gesellschaft versucht. Deutlich »süffiger« liest sich der Aufsatz von Christian Dries, der in seinem Aufsatz einen hilfreichen Überblick über verschiedene Parameter des politischen Engagements von Günther Anders vor und um 1968 gibt.

Michael Jenewein und Jörg Müller Hipper beschäftigen sich in ihrem Beitrag am Beispiel der Rede Michael Köhlmeiers am 5.5.2018 mit den sartreschen Begriffen von engagierter Literatur und von Literatur überhaupt. Werner Jung diskutiert knapp, aber informativ die Lukács-Rezeption in der Studentenbewegung vor und um 1968, wozu Lukács’ Positionen zum Realsozialismus, aber auch seine Wirkung in die Inhalte von Lehre und Forschung (insbesondere in der Germanistik) gehören. Sein melancholisches Fazit ist allerdings, dass eine tatsächliche produktive und das Gesamtwerk nicht verzerrende Rezeption nie stattgefunden habe.

Gerhard Schweppenhäusers Beitrag über »Marcuse und die Metaphysik« liefert über die Erwartung des Titels hinaus eine kompakt und kurzweilig geschriebene Zusammenschau der frühen kritischen Theorie insgesamt und ihres Verhältnisses zur Metaphysik im Speziellen, die gegen Ende in eine Parallelsetzung von Marcuses und der heutigen Zeit einmündet. Diese geht mit einer in der kurzen Form arg thetisch und formelhaft wirkenden Programmatik für eine Erneuerung der kritischen Theorie einher, wie man sie schon öfters gesehen hat. Der Verfasser dieser Rezension ist in der »Szene« der gegenwärtigen kritischen Theorie ein informierter Außenseiter und weiß nicht so recht, was er von den immer neuen Aktualisierungsforderungen zu halten hat. Manche Punkte Schweppenhäusers erscheinen empirisch fragwürdig, dort, wo zum Beispiel die Rede davon ist, Phantasie konzentriere sich heute »auf das Ausmalen ›technischer Utopien‹«; während zu Marcuses Zeit und noch bis weit in die 1970er, wenn nicht 80er technische Utopien mit fliegenden Autos, Kuppelstädten, Raumkolonien, Abschaffung von Krankheit und Leid seriös präsentiert wurden,[2] hat dies heute eigentlich aufgehört. Die technischen Utopien unserer Zeit, soweit man sich überhaupt noch traut, welche zu äußern, sind sozialtechnische Utopien von »Connectivity« und »Digitalisierung«. Diese kritisiert Schweppenhäuser am Ende seines Beitrages eher schematisch und wenig überzeugend.

Ebenfalls Einführungscharakter hat Alfred Betscharts Beitrag über »Die Vordenker der sexuellen Revolution«, der in großem Bogen von Freud über Reich, Marcuse, Margaret Mead und Kinsey, Gide und Genet, Kerouac und Ginsberg die Wurzeln der sexuellen Befreiung der 60er skizziert, vor allem aber dichte Belege dafür liefert, dass der Einfluss von Sartre und Beauvoir auf diese kulturelle Bewegung nicht zu unterschätzen war. Der auch sprachlich gelungene Aufsatz schreckt vor zielsicheren Spitzen nicht zurück (wenn etwa mokant und eher nebenbei die »in der Frankfurter Schule nicht unübliche[] Umwandlung bildungsbürgerlicher Ideale in vermeintliche linke Postulate« aufgespießt wird, 154f.), lehnt sich aber hier und da etwas aus dem Fenster (es wird etwa angedeutet, Literatur habe nur noch bis in die 1970er eine »außerordentliche Reichweite in der Gesellschaft gehabt, 157, oder »die Ephebophilie« sei »bis in die 1980er Jahre die dominante Form von Homosexualität« gewesen (158), ohne dass dies belegt wird).

Eine pièce de résistance des Bandes, nicht nur aufgrund des gerade erschienen »neuen Houellebecq« Anéantir, stellt für mich der Aufsatz des Herausgebers Jens Bonnemann dar, der sich mit eben jenem französischen Bestsellerautor und seinem Verhältnis zum Erbe der sexuellen Befreiung beschäftigt. Er zeigt, deutlich detaillierter als Betschart zuvor, die Bedeutung von Wilhelm Reich für »die 68er« auf und arbeitet vor allem genau heraus, dass das der freudomarxistischen Kulturtheorie Marcuses immanente Konzept einer Befreiung des Eros nichts mit der zur wirtschaftlichen Deregulierung homologen Befreiung des Sexus bzw. des »Sexual Marketplace«[3] bei Houellebecq zu tun hat.

Jörg Müller Hipper führt in seinem Beitrag mit und gegen Helmuth Plessner den Nachweis, »dass soziale Konzepte der maximalen Nähe und Offenheit«, sprich der Gemeinschaftlichkeit im Gegensatz zur Gesellschaftlichkeit, entgegen der Intuition zahlreicher »68er« keine gangbare Grundlage für neue, bessere Formen menschlichen Zusammenlebens darstellen. Im Gegenteil müssten solche Formen schon aus rein anthropologischen Gründen auf einer Gesellschaftlichkeit von Distanz und Takt, »die Möglichkeit, unbehelligt zu bleiben, nicht mitmachen zu müssen« (205) aufbauen.

Herausgeber Thomas Zingelmann nimmt im Anschluss die beliebte Vorstellung auseinander, die verschiedenen Gegenkulturen, die heute mit der Zeit von »1968« assoziiert werden, seien miteinander verflochten und irgendwie eine Einheit gewesen. Er unterscheidet die verschiedenen Unterströme in kollektivistische Protestbewegungen und individualistische Gegenkulturen (und bleibt damit im Groben in der Spur von Müller Hipper zuvor). So liefert er eine knappe, aber informative historische Beschreibung und Einordnung von Beat Generation und Hippies als Vertreter des unpolitischen Gegenkulturaspekts.

Der dritte Herausgeber, Paul Helfritzsch, konzipiert in seinem Beitrag, der nicht mehr unmittelbar kulturhistorisch ist, im Ausgang von Jean-Paul Sartre und Frantz Fanon die Rolle des Intellektuellen als Instanz der performativen Benennung von Unterdrückungsverhältnissen auf Grundlage von Theoriewissen. Auf dem Intellektuellen liegt nach Helfritzsch eine »ontologische Verantwortung«, also eine Verantwortung für das Verfasstsein der Welt in durch diese performativen Benennungen erst etablierten Strukturen von praktischen Begriffen.

Der Band schließt mit einer geschichtsphilosophischen Betrachtung von Peggy Breitenstein, die sich implizit auch gegen eine Reihe der versammelten anderen Beiträge stellt, indem sie mit einem benjaminschen Geschichtsverständnis den Wert von Versuchen der Geschichtsschreibung, die Fragen wie »Was war…?« und »Was bleibt von…?« stellen und sie von berufenen Zeitzeugen (»Siegern«) deuten lassen (245), allgemein in Frage stellt. An verschiedenen Belegen (Erinnerungen der Malerin Sarah Haffner, die Thesen des Westberliner Aktionsrats zur Befreiung der Frauen sowie Kommentare und Reaktionen darauf wie das berühmte »Penisflugblatt«) entlang zeigt sie die der Studentenbewegung als Lebensstil und als politische Bewegung entgegen ihrem revolutionären Anspruch innewohnenden patriarchalischen Strukturen und Selbstwidersprüche auf. Ihre Bilanz bleibt eine melancholische: dass die »selbstreflexive und selbstkritische Praxis« (259), die jede Emanzipation mit Marx sein müsse und die in den weniger theoriegesättigten feministischen Seitenbewegungen von »1968« noch eher zu finden gewesen sei, bis auf Weiteres höchstens Dialogräume und solidarischen Rückzug bedeuten kann, da das Erbe der emanzipatorischen Diskurse bis heute zumindest im akademischen Raum vor allem in Form von »Debattenwettstreit und Konkurrenz«[4] (262) stattfinde. Breitensteins Aufsatz hat aufgrund seiner inhaltlichen Spannweite und stilistischen Brillanz die prominente Position am Schluss, sozusagen als »inoffizielles Fazit«, des Bandes mehr als verdient.

Insgesamt kann der Band, auch wenn nicht alle Beiträge gleich interessant sind und man sich mancherorts einige Belege mehr gewünscht hätte, trotz (oder gerade wegen) seiner Entstehung als Tagungsband für nicht ins Thema Eingelesene als gute Heranführung an das Phänomen 1968 dienen und auch Kundigeren die eine oder andere neue Perspektive vermitteln. Ein Wermutstropfen bleibt die leider nicht geringe Zahl von nicht nur Tipp-, sondern auch Grammatik- und Trennfehlern, über die man in der Lektüre immer wieder stolpert. Die Frage, ob »1968« nun eher Ursache oder eher Wirkung war, löst sich beim Studium des Bandes jedenfalls nach und nach zusammen mit jeder scheinbar kompakten Substanz des Phänomens auf. »1968« erweist sich als Sammelbegriff für eine heterogene, allenfalls familienähnliche Vielfalt von zeitlich grob koinzidierenden Entwicklungen, deren Zusammenordnung unter einer leitenden Erzählung selbst vielleicht am ehesten so etwas ist wie eine popkulturelle Retrofiktion.


[1] Vgl. Jacques Rancière, interviewt von Julia Christ und Bertrand Ogilvie: »Republikanismus ist heute ein Rassismus für Intellektuelle«, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 65.4 (2017), 727–761, hier 731.

[2] Drastisch vor Augen führt dies ein Blick z.B. in Ulrich Schippke, Die 7 Weltwunder von morgen, Gütersloh 1972, oder ders., Zukunft, Gütersloh 1974.

[3] Dieser Ausdruck ist in der Szene der militanten modernen Frauenfeinde (»MRAs«, »Incels«) in den sozialen Medien, die u.a. für ihre Unterstützung von Donald Trump und die Anstiftung mehrerer Massenmorde berüchtigt sind, der geläufige. Houellebecq kann, wenn nicht als Stifter, so doch mindestens als geistiger Vorläufer dieses Denkens gesehen werden.

[4] Der Verf. dankt Katharina Herrmann, München, dafür, durch sie schon vor längerer Zeit auf Karl Helds berühmte Sentenz »Ihr wollt ja lieber dichten« beim konkret-Kongress 1993 hingewiesen worden zu sein.

Katherine Mansilla Torres: Resignificar la violencia. El pensamiento político de Maurice-Merleau Ponty

Resignificar la violencia. El pensamiento político de Maurice-Merleau Ponty Couverture du livre Resignificar la violencia. El pensamiento político de Maurice-Merleau Ponty
Katherine Mansilla Torres
SB / Universidad Autónoma del Estado de México
2021
Paperback $16.90
208

Reviewed by: Luz Ascarate (Université de Franche-Comté / Université Paris I Panthéon-Sorbonne)

Selon Paul Valéry, « la connaissance a le corps de l’homme pour limite »[1]. Un grand paradoxe se présente donc si nous essayons de penser philosophiquement la violence, un sujet urgent et d’actualité : la violence nous renvoie immédiatement au corps, et la connaissance philosophique trouverait sa limite dans le corps. Nous pouvons cependant considérer la réflexion philosophique comme une réflexion qui dépasse les limites de la connaissance, et en ce sens, qui ne peut se réaliser que dans la considération du corps. En tout état de cause, toute la difficulté est de savoir si la philosophie est la discipline la plus adéquate pour traiter le sujet de la violence. Le philosophe est-il capable d’apporter quelque point de vue d’importance à ce sujet ? Katherine Mansilla le pense, en suivant Maurice Merleau-Ponty, un philosophe qui est parvenu à développer une réflexion philosophique sur le corps. Mansilla présente la pensée de Merleau-Ponty afin de soulever des questions et de proposer des réponses possibles aux différentes significations qui découlent du thème de la violence. Mansilla estime que l’importance de la perspective élaborée par Merleau-Ponty est qu’elle nous permet de comprendre la violence à partir de la contingence : l’histoire, les relations collectives, notre pays. En ce sens, le livre de Mansilla est aussi une refonte de la pensée politique de Merleau-Ponty basée sur le concept de violence. Mais le texte de Mansilla est loin de diviser la pensée de Merleau-Ponty entre une partie théorique et une partie pratique, entre sa phénoménologie et sa philosophie politique. Mansilla relève le défi de penser, enrichi par la perspective gestaltiste de la figure et du fond, l’unité de la philosophie de Merleau-Ponty, de sa phénoménologie de la perception à sa dernière ontologie, en tenant compte du fait que l’unité de la production philosophique est encadrée par le fond historico-politique qui traverse toute la pensée de Merleau-Ponty.

I. Le fond socio-historique

Que la philosophie ne puisse être détachée de son contexte ou de son fond socio-historique est une intuition qui a accompagné Merleau-Ponty tout au long de son œuvre. Cependant, cette appartenance ne peut être comprise qu’à travers l’effort de comprendre cet arrière-plan comme la condition de possibilité d’une expérience constitutive. Comme on le lit dans Éloge de la philosophie, « la philosophie habite l’histoire et la vie, mais elle voudrait s’installer en leur centre, au point où elles sont avènement, sens naissant. Elle s’ennuie dans le constitué. Étant expression, elle ne s’accomplit qu’en renonçant à coïncider avec l’exprimé et en l’éloignant pour en voir le sens »[2]. Mansilla parvient à rendre compte de la dialectique qui s’établit entre le constitué et le constituant dans la pensée de Merleau-Ponty. Une dialectique qui, selon elle, est présente dès ses premières œuvres, dans lesquelles il tente d’élucider la structure de la perception. Elle se consacre donc non seulement à situer la pensée de Merleau-Ponty dans son contexte socio-historique, mais, à partir de là, elle délimite le rôle des concepts les plus importants de sa pensée en général – tels que le corps propre, l’intentionnalité opérante, la temporalité, l’être-au-monde – afin de comprendre sa pensée sur la violence. Cette pensée ne doit pas être comprise comme une position « politique » mais plutôt comme une pensée sur « le politique », qui répond à des concepts tels que la dialectique sans synthèse, l’anonymat social et l’institution.

C’est le premier chapitre, intitulé « Merleau-Ponty sur le fond social de l’entre-deux-guerres », qui sert de base à ce fond socio-historique. Mansilla se place dans le contexte biographique de Merleau-Ponty afin d’établir une relation entre la violence vécue par le philosophe en temps de guerre et sa critique de la philosophie de « survol ». Un événement important souligné par l’auteure est la participation de Merleau-Ponty à la fondation, avec Sartre, du groupe Socialisme et Liberté en 1941, qui a soutenu la Résistance dans ses publications. C’est à cette époque que le philosophe prépare les bases de ce qui deviendra la Phénoménologie de la perception dans sa thèse dirigée par Émile Bréhier. À cette époque, parmi les lectures les plus importantes de Merleau-Ponty figurent les textes de Trosky, de Lénine et l’ouvrage de Renaudet sur Machiavel. Dans le contexte mondial, à la fin de la guerre, l’idéologie totalitaire est en plein essor, ce qui entraîne une opposition entre le libéralisme et le communisme.

II. L’héritage husserlien

Mais de cet arrière-plan ou fond biographique émerge l’exigence philosophique héritée de la phénoménologie husserlienne du retour aux choses elles-mêmes qui, dans la vision de Merleau-Ponty, prend le sens d’un retour de la réflexion philosophique au sujet de son propre corps dans un monde marqué par la violence. À cet égard, les conférences de Paris données par Husserl à la Sorbonne en 1929 ont été fondamentales pour la conception de la phénoménologie de Merleau-Ponty. Mais l’héritage husserlien est également fondamental pour comprendre le sens de la liberté que Merleau-Ponty articule afin de donner un sens au politique. Il est intéressant de noter que l’auteure reprend la distinction ricœurienne entre la politique, domaine ontique des pratiques institutionnelles rationnellement assumées par la philosophie politique, et le politique[3], domaine ontologique ou structurel des relations de pouvoir, afin de situer la perspective de Merleau-Ponty dans la dialectique de ces deux domaines, que l’auteure comprend comme la dialectique de l’institué et de l’instituant.

En ce sens, la liberté est comprise dans une perspective génétique qui permet à l’auteure de revenir sur les aspects constitutifs du politique. Cette sphère précède la sphère de la connaissance ou de la délibération. Ainsi, les intérêts socio-historiques sont ici fondamentaux pour comprendre l’orientation des analyses de la Phénoménologie de la perception dans la perspective de Mansilla. Ces intérêts radicalisent la description de Merleau-Ponty grâce à la perspective génétique héritée de Husserl. Mansilla emprunte ici les instruments de cette orientation de la méthode husserlienne pour comprendre Merleau-Ponty, ce qui ne trahit pas le sens de la réduction husserlienne. Comme on le sait, en tant que dévoilement ou thématisation de la constitution, la réduction husserlienne est toujours une « interrogation rétrospective » (Rückfrage)[4] qui peut avoir deux orientations, correspondant à un fondement de validité (Geltungsfundierung), et à un fondement génétique (Genesisfundierung)[5]. Ces deux types de fondement correspondent au sens philosophique de « fondement ». Mais c’est cette dernière qui nous permet d’expliciter, selon les termes de Fink, la « pauvreté, la plus extrême qu’on puisse imaginer »[6] de la subjectivité.

Mansilla découvre le même geste dans la pensée de Merleau-Ponty. Il nous exhorte, précisément, à revenir à une expérience originelle du monde, une expérience qui précède toute connaissance. C’est à ce niveau que nous nous reconnaissons comme des êtres vivants face à un monde qui nous est inéluctable (p. 42). Mansilla nous fait ainsi lire ce fragment de la Phénoménologie de la perception : « la perception n’est pas une science du monde ce n’est pas même un acte, une prise de position délibérée, elle est le fond sur lequel tous les actes se détachent et elle est présupposée par eux »[7]. Selon Mansilla, le travail de Merleau-Ponty sur la perception nous permet de prendre conscience que nous sommes des corps qui forment un seul système avec le monde, ce qui peut être compris comme la signification du monde par le corps dans une relation circulaire. Le sensible demande au monde d’être mis en forme par le corps. Le corps répond à cette demande et met le monde en forme. Cette mise en forme est comprise par Mansilla comme expression ou signification, ce qui lui permet de voir la continuité entre les analyses merleau-pontiennes consacrées à la perception et celles consacrées plus tard à l’expression. Dans cette perspective, nous lisons précisément dans la Phénoménologie de la perception une radicalisation du thème de l’expression en vue de l’orientation génétique qui annonce déjà ce qui va suivre dans la philosophie de Merleau-Ponty :

 « C’est la fonction du langage de faire exister les essences dans une séparation qui, à vrai dire, n’est qu’apparente, puisque par lui elles reposent encore sur la vie antéprédicative de la conscience. Dans le silence de la conscience originaire, on voit apparaître non seulement ce que veulent dire les mots, mais encore ce que veulent dire les choses, le noyau de signification primaire autour duquel s’organisent les actes de dénomination et d’expression »[8].

Selon Mansilla, Merleau-Ponty poursuit ainsi les analyses génétiques de Husserl, renouvelle l’héritage phénoménologique qu’il assume de manière rigoureuse sans cacher ses paradoxes et dont il explore différents horizons thématiques pour développer sa propre réflexion. En ce sens, le corps et le langage sont compris dans l’héritage génétique de la phénoménologie husserlienne. C’est ce même héritage qui lui permet de surmonter les dichotomies qui découlent du sentiment de violence. Ainsi, dans le deuxième chapitre intitulé « Violence et humanisme », l’auteure échange les analyses génétiques contre une vision profonde du politique.

Le texte clé est ici le célèbre ouvrage Humanisme et terreur[9]. Sur la base de ce texte, et sans négliger le contexte socio-historique marqué à cette époque par la participation de Merleau-Ponty à la revue Les temps modernes, l’auteure retrace le lien entre les différentes significations de la violence chez Merleau-Ponty. Le premier a trait aux phénomènes politiques que le philosophe traverse entre 1945 et 1947, qui peuvent être compris comme le conflit entre libéraux et communistes sur la violence que les uns rencontrent chez les autres. Cette violence est appelée, par l’auteure, violence idéologique. Merleau-Ponty trouvera une forme de violence pré-prédicative et pré-rationnelle qui lui permettra de dépasser les dichotomies des idéologies de la guerre froide. Cette forme de violence qui répond au second sens peut être explicitée grâce à une perspective humaniste de la violence, qui comprend la violence comme matériellement constitutive de toute praxis politique.

Un troisième sens de la violence est la violence de l’histoire, qui est le fondement des deux autres formes de violence. Merleau-Ponty reprend ici, selon l’aurore, ses analyses de la perception en identifiant en elle un corps traversé par son intentionnalité opératoire située dans une temporalité perceptive. En bref, l’histoire, en sédimentant les sens dans le temps, et en demandant aux hommes de marcher en un sens, change. Selon Mansilla, « l’histoire est violente parce qu’elle est contingente et ambiguë » (p. 57). Merleau-Ponty nous invite donc à aborder l’histoire à partir d’un sujet acteur dans une histoire ouverte, violente, sauvage. L’avenir politique est donc un acte révolutionnaire dans un sens existentialiste, créatif et révolutionnaire. Dans chaque type de violence, nous trouvons une structure de plus en plus fondamentale et constitutive du social. Ainsi, dans le troisième chapitre de cet ouvrage intitulé « L’anonymat social », l’auteure revient sur l’influence husserlienne de l’analyse génétique chez Merleau-Ponty pour comprendre ce dernier type de violence. Nous sommes confrontés à une radicalisation du fondement contingent du politique et de l’expérience. C’est cette radicalisation qui aurait conduit Merleau-Ponty à se rapprocher de Machiavel.

III. De Machiavel à Marx

Machiavel permet à l’auteure de plonger dans le contexte socio-politique révélé par les analyses de la perception. Le texte clé ici est une conférence sur Machiavel présentée au Congrès de Florence de 1949 et publiée dans Signes[10]. Mansilla identifie ici une confluence entre la préoccupation merleau-pontienne pour le langage et pour la contingence fondamentale du politique. Au fond, c’est cette préoccupation commune qui aurait conduit Merleau-Ponty à chercher chez Marx certaines réponses à la réflexion philosophique sur les problèmes politiques et sociaux qui traversent son contexte socio-historique, comme le montrera Mansilla dans le cinquième chapitre de son livre intitulé « Merleau-Ponty, lecteur de Marx ».

L’auteure comprend la relation de Merleau-Ponty avec le marxisme comme une relation constante et dialogique. Elle identifie ainsi les mentions de Marx depuis la Phénoménologie de la perception jusqu’à Les aventures de la dialectique[11]. Le concept clé ici est celui de production, un concept que Merleau-Ponty comprendra dans une perspective existentielle et humaniste. Mansilla parvient également à rendre compte de la discussion de Merleau-Ponty avec les marxistes de son temps sur la défense du Parti communiste français, ainsi que de la rupture avec Sartre. Selon l’auteure, il s’agit dans les deux cas d’une radicalisation de la perspective de la contingence par rapport au social.

Dans le dernier chapitre intitulé « Expression, institution et contingence », l’auteure propose une vue d’ensemble du politique dans la perspective de Merleau-Ponty, en s’appuyant sur les aspects explorés dans les chapitres précédents. Le concept clé ici est celui de l’expression, qui permet à l’auteure de comprendre la dialectique entre l’institué et l’instituant. L’auteure identifie un lien primordial entre la contingence du langage et la contingence de la politique. Cela permet au philosophe d’expliciter les relations dialectiques comme étant les siennes, dans une vie commune contingente qui s’enracine dans sa communication et son action avec les autres. Nous nous retrouvons donc avec une conception purement contingente de l’histoire qui place dans un cadre phénoménologique génétique divers événements historiques qui traversent la vie de Merleau-Ponty. L’expression comprise dans le cadre de la communication entre individus et cultures diverses nous permet de reconnaître une universalité ouverte fondée sur un anonymat originel. Merleau-Ponty nous permettrait ainsi de nous interroger sur un sens profond de la violence qui implique ses significations historiquement sédimentées et une approche de notre réalité sociale.

Mansilla nous permet enfin de poser certaines questions qui dépassent le cadre de la philosophie merleau-pontienne et s’adressent à la philosophie en général : la philosophie peut-elle dire quelque chose de radical sur la constitution politique du monde dans lequel nous vivons ? Est-il possible de réaliser une philosophie engagée dans la réalité ? Cet engagement est-il accessoire ou nécessaire au travail philosophique ? Le pari de Mansilla est un pari qui défend l’unité de la théorie et de la pratique philosophiques, une unité incarnée dans un contexte socio-historique vital que nous ne pouvons pas « survoler ». En ce sens, il est impossible de ne pas rapprocher l’ouvrage de Mansilla, dont nous recommandons absolument la lecture, aux tentatives qui ont déjà été faites en phénoménologie pour défendre cette unité chez des penseurs comme Claude Lefort, Tran Duc Thao et Enzo Paci.


[1] P. Valéry, Cahiers. Tome 1. Paris : Gallimard, 1973, p. 1124.

[2] M. Merleau-Ponty, Éloge de la philosophie, Paris, Gallimard, 1953, p. 59.

[3] Cf. P. Ricœur, « Le paradoxe politique » (1957), in : Histoire et vérité, Paris : Seuil, 1964.

[4] E. Fink, Sixième Méditations cartésienne. L’idée d’une théorie transcendantale de la méthode, traduit par Nathalie Depraz, Grenoble, Jérôme Millon, 1994, p. 62.

[5] Cf. ibid.

[6] Cf. ibid., p. 103.

[7] M. Merleau-Ponty, La phénoménologie de la perception, Paris, Gallimard, 1945, p. V.

[8] Ibid., p. X.

[9] M. Merleau-Ponty, Humanisme et terreur. Essai sur le problème communiste, Paris, Gallimard, 1948.

[10] M. Merleau-Ponty, « Notes sur Machiavel. Chapitre 10 », dans Signes, Paris, Gallimard, 1960.

[11] Cf. M. Merleau-Ponty, Les aventures de la dialectique, Paris, Gallimard, 1955.

Mikko Immanen: Toward a Concrete Philosophy, Cornell University Press, 2020

Toward a Concrete Philosophy: Heidegger and the Emergence of the Frankfurt School Couverture du livre Toward a Concrete Philosophy: Heidegger and the Emergence of the Frankfurt School
Signale: Modern German Letters, Cultures, and Thought
Mikko Immanen
Cornell University Press
2020
Paperback $27.95
312

Richard Westerman: Lukács’s Phenomenology of Capitalism: Reification Revalued, Palgrave Macmillan, 2019

Lukács’s Phenomenology of Capitalism: Reification Revalued Couverture du livre Lukács’s Phenomenology of Capitalism: Reification Revalued
Political Philosophy and Public Purpose
Richard Westerman
Palgrave Macmillan
2019
Hardback $89.99
XVII, 308